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Berlin laufen die Erzieher weg

Berliner Kitas können, selbst wenn sie wollten, nicht mehr Personal einstellen. Der Grund: Wie bei den Lehrern werden auch Erzieher von anderen Bundesländern abgeworben. Das Problem wird verschärft durch Hunderte Vollzeitkräfte, die bis 2013 aus dem Beruf ausscheiden.
Wie bei den Lehrern steuert Berlin auch bei den Erziehern auf eine dramatische Mangelsituation zu. Laut Senatsbildungsverwaltung scheiden bis 2013 etwa 414 vollzeitbeschäftigte Erzieher altersbedingt aus dem Beruf aus. „Es werden sogar noch viel mehr sein, weil längst nicht alle bis zum 65. Lebensjahr arbeiten“, sagte Bärbel Jung, Referentin für Kinder- und Jugendhilfe der Lehrergewerkschaft GEW.

Schon jetzt gibt es nicht genügend Bewerber für offene Stellen. So fehlt etwa an vier Neuköllner sowie an drei Reinickendorfer Grundschulen jeweils mindestens ein Erzieher. Beim Einstellungsverfahren im Januar für Erzieherinnen im Schulbereich waren laut GEW 86 Stellen zu besetzen, auf die sich lediglich 54 Erzieherinnen beworben haben.

Auch die Kindertagesstätten finden schon jetzt nicht genügend Bewerber auf offene Stellen. „Wir könnten sofort 30 Erzieher einstellen, doch die Interessenten sind nicht da“, sagt Matthias Erfurt, Geschäftsführer des Eigenbetriebs Süd-Ost. Der Markt sei leer gefegt. Vor allem in Treptow-Köpenick spitze sich die Situation weiter zu, da hier die Zahl an kleinen Kindern zunehme und die Nachfrage nach Kita-Plätzen steige.
Auch der Eigenbetrieb Süd-West sucht händeringend Erzieher. Derzeit können fünf Stellen nicht besetzt werden. „Die Kollegen sind ausgebrannt, der Krankenstand steigt, wir steuern auf ein riesiges Problem zu“, sagt Martina Castello, Geschäftsführerin des Eigenbetriebs Süd-West.

Gleichzeitig wirbt München in den Kindertagesstätten Erzieher ab. In einer bundesweiten Fachzeitschrift lädt die Stadt die Pädagogen zu einem Schnupperwochenende ein. Im Gegensatz zu Berlin, wo Erzieher nur befristet eingestellt werden, wirbt München mit unbefristeten Verträgen, mit guten Verdienstmöglichkeiten, vergünstigten Mieten und Aufstiegschancen. Neben einem Einblick in die Kitas erhalten die Pädagogen an dem Schnupperwochenende eine Stadtführung, kostenlosen Eintritt in den Zoo, Hotelrabatt und etliche andere Rabatte zum Essen und Einkaufen.

Bundesweit werden vor allem durch den Ausbau der Krippenplätze 46.000 Erzieher bis zum Jahr 2013 benötigt. Marion Leibnitz, Vorsitzende des Gesamtpersonalrats der Lehrer und Erzieher, fordert eine bessere Bezahlung und deutlich bessere Arbeitsbedingungen für Erzieher. „Bisher sind die Pädagogen nur befristet eingestellt worden. Das muss sich ändern“, sagte sie. Zudem müssten die Gruppengrößen reduziert werden. „Im Hortbereich ist nicht selten eine Erzieherin für 50 Kinder zuständig“, so Leibnitz. Erzieher würden außerdem oft für fehlende Lehrer eingesetzt und damit ständig hin und her geschoben werden.

Florentine Anders und Regina Köhler
Berliner Morgenpost, 27.2.09