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Immer mehr Arbeit ohne extra Personal

Erzieher beklagen Überlastung zum Schaden der Kinder

Christine Casser (42) ist mit Leib und Seele Erzieherin. Aber der Job macht sie wütend. Nicht auf Kinder sondern auf den Senat. Der Vorwurf von ihr und 10 000 anderen Kita-Erziehern, die gestern vor dem Roten Rathaus demonstrierten: Das Kita-Personal muss durch die Vorgaben des Senats immer mehr Aufgaben in immer kürzerer Zeit leisten – ohne einen finanziellen Ausgleich.

Casser, Erzieherin der Kita Teltower Rübchen (Zehlendorf): "Zum Beispiel sollen wir mit großem bürokratischen Aufwand seit letztem Jahr ein Sprachlerntagebuch führen, bei jedem Kind genau dokumentieren, welche Fortschritte es bei der Sprachentwicklung macht. Das schafft fast keine Kita in Berlin, der Alltag sieht einfach völlig anders aus. Neben Windelwechseln, Nase schnauben, trösten, Elternabende vorbereiten und vielen anderen Aufgaben ist das einfach nicht zu leisten."

Auch die seit 2004 in die Kitas übertragene Vorschularbeit belastet die Erzieher immens. Casser: "Es war sicher richtig, dass die Kitas die Vorschule übernommen haben, aber es gab kein zusätzliches Personal. Den Unterricht macht man nicht aus der hohlen Hand, da muss man vorbereiten und organisieren."

Doch genau dafür fehlt die Zeit – deshalb fordert das Kitabündnis für jeden vollbeschäftigten Erzieher mindestens fünf zusätzlich bezahlte Wochenstunden. Casser: "Im Schnitt schieben wir 60 Überstunde vor uns her, obwohl wir gar keine machen dürfen. Wir könnten uns zwar weigern, aber dann leiden die Kinder."

SN
Berliner Kurier, 23.9.2009