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Kita-Bündnis fordert mehr Personal

"Auf die Kleinen kommt es an"

Aktion vor dem Roten Rathaus geplant - Motto: Fünf Stunden für mehr Qualität in meiner Kita

Ein breites Bündnis für Kindertagesstätten hat sich gestern gegründet, um mehr Personal für die frühkindliche Bildung durchzusetzen. Zudem fordern die Unterzeichner einen freien Zugang zu einem Teilzeitplatz für Kinder ab drei Jahren, auch wenn die Eltern nicht berufstätig sind.

Nahezu alle freien Träger, die kommunalen Eigenbetriebe, die Gewerkschaften GEW und Verdi und die Elternvertretung haben unter anderen den Aufruf "Auf die Kleinen kommt es an - Mehr Zeit für Bildung" unterzeichnet. Unterstützt werden die Forderungen des "Kitabündnisses" auch von der Wissenschaftlerin Christa Preissing, die das verbindliche Berliner Bildungsprogramm für die Kitas entwickelt hat.
Durch Umorganisieren des Alltags der Räume könne nur die Hälfte des Bildungsprogrammes verwirklicht werden, für die andere Hälfte benötigten die Kitas andere Rahmenbedingungen, so die Wissenschaftlerin der Freien Universität.
Das Bildungsprogramm schreibt beispielsweise aufwendige Entwicklungsdokumentationen für die einzelnen Kinder vor. Doch Vor- und Nachbereitungszeiten haben die Pädagogen dafür nicht. "Viele engagierte Erzieherinnen versuchen, in ihrer Freizeit die Dokumentationen oder Vorbereitungen nachzuholen, doch die Grenze der Belastbarkeit ist erreicht", sagt Preissing. Das Bündnis fordert pro Woche fünf Stunden Vor- und Nachbereitungszeiten für die Erzieher, in denen sie nicht in der Gruppe arbeiten. Anders als bei den Grundschullehrern gibt es bei den Erziehern solche Zeiten nicht.
Eine weitere Forderung ist die Freistellung der Kitaleitung für die Managementaufgaben. Nach der Kürzung im Jahr 2003 ist eine Kitaleiterin bei 100 Kindern nur noch zu 75 Prozent von der Gruppenarbeit freigestellt. Eine Stellvertretung gibt es nicht mehr. Doch die Aufgaben der Leitung wachsen. Neben der Personalplanung muss die Leitung beispielsweise auch für eine Selbstevaluation sorgen, die Weiterbildung ihrer Mitarbeiter vorantreiben, und auch eine engere Zusammenarbeit mit den Grundschulen ist vorgesehen.
Die dritte Forderung ist, für alle Kinder ab drei Jahren mindestens einen Rechtsanspruch auf einen Teilzeitplatz von fünf bis sieben Stunden in der Kita zu gewähren. "Die Kita ist eine der wichtigsten Integrationsinstanzen", sagt Marcus Luttmer vom Paritätischen Wohlfahrtsverband. Immer noch stehe die Arbeitssituation der Eltern im Vordergrund, nicht der Förderbedarf des Kindes. Die vierseitigen Anmeldeformulare für den Kitagutschein seien zudem viel zu kompliziert.
"Selbst die Jugendpolitiker der Koalitionsparteien unterstützen diese Maßnahmen", betont Klaus Schröder von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft. Die Haushälter würden das allerdings anders sehen. Allein die Forderung nach zusätzlicher Vor- und Nachbereitungszeit würde berlinweit einen zusätzlichen Personalbedarf von rund 1430 Stellen - 57,2 Millionen Euro - bedeuten.
Um den Druck auf die Politik zu erhöhen, plant das Bündnis Aktionen. Etwa am 4. März vor dem Roten Rathaus das Kinderfest "Soviel Zeit muss sein! Fünf Stunden für mehr Qualität in meiner Kita"

Florentine Anders
Berliner Morgenpost vom 9. Februar 2008