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Mehr als nur ein Zwergen-Aufstand

10 000 Kinder und Erzieher trommeln für mehr Geld und Kita-Personal

Berlin - Mit Trommeln, Rasseln und orangefarbenen Luftballons eroberte diese bunte Rasselbande gestern den Alexanderplatz. Berlins Jüngste zogen gestern mit ihren Erzieherinnen und Eltern durch die Stadt, um den Großen in der Politik zu sagen, dass sie mehr qualifizierte Bildung brauchen.
Mit Tröten und Seifenblasen eroberten Tausende Knirpse am Vormittag die Hasenheide, den Volkspark Friedrichshain, den Luisenhain in Köpenick, die Oberbaumbrücke ...
Die Lichtenberger "Singmäuse" zogen mit Musikinstrumenten vor ihr Rathaus. Auch das RBB-Gebäude war das Ziel von Fünf- und Sechsjährigen, weil sie den Machern der "Abendschau" was zu sagen hatten. Und die Kita "A13" aus Wedding probten mit einem Picknick auf einer Wiese im Regierungsviertel den Zwergen-Aufstand.
Etwa 380 Kitas beteiligten sich laut Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden an dem Aktionstag. Etwa 10 000 Kinder, Eltern und Erzieher wollten zeigen, dass in den Kitas nicht nur Sandkuchen gebacken wird. Alle zusammen machten sie sich stark für: "Mehr Zeit für Bildung."
Drei Forderungen stellen sie an den Senat. Ersten: Jede vollbeschäftigte Erzieherin soll für die kindgerechte Bildung pro Woche fünf Stunden für Vor- und Nachbereitung erhalten. Zweitens: Ab 100 Plätze (derzeit 161) in der Kita soll die Chefin ausschließlich leiten und nicht mehr mit einem Bein in den Kindergruppen stehen. Drittens: Allen Kindern sollen fünf bis sieben Stunden Kita zustehen, auch wenn ihre Eltern arbeitslos sind.
Hinter allem steht letztlich die Forderung nach mehr Personal. Zu den derzeit rund 12 000 Jobs müssten noch knapp 1900 hinzukommen. Die Kosten für die Zusatz-Jobs: rund 100 Millionen Euro.
Eine gute Idee, woher das viele Geld kommen soll, hat Klaus Schroeder von der Erzieher-Gewerkschaft GEW: Mit dem vom Bundestag Ende April verabschiedeten Kinderförderungs-Gesetz fließen ab 2009 an die 90 Millionen Euro nach Berlin.
Am Aktionstag wurde auch die Werbetrommel für das Kita-Volksbegehren gerührt, bei dem es ebenfalls um mehr Zeit und Personal geht. Nötig sind dafür 20 000 gültige Unterschriften (Listen liegen in Kitas aus), die Frist endet am Freitag.
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Zitat: Wir erwarten von Politikern eine klare Aussage, Verlässlichkeit und einen Stufenplan. Klaus Schroeder, Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Zitat: Wir backen nicht nur Sandkuchen. Wir sind eine Bildungseinrichtung und keine Verwahranstalt. Ana Sofia Gomes, Kinderhaus Waldemar

Marion Klemp
Berliner Kurier, 26.6.08