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Orange Revolution im Kindergarten

25 000 Kita-Kinder für bessere Bildung in der Stadt unterwegs

Auf der Rasenfläche vor dem Reichstag spielten und picknickten gestern ungewöhnlich viele Kindergartenkinder. Manche von ihnen hatten orangefarbene Luftballons an die Hand gebunden, anderen waren Flyer auf die T-Shirts geklebt worden. Vor dem Roten Rathaus malten Kinder mit bunter Kreide auf den Platz, in der Oranienstraße ging eine Gruppe spazieren, auf dem Elsterwerdaer Platz machten 220 Kinder Krach und im Bäkepark in Lichterfelde tanzten, klatschten und hüpften rund 500 Kinder zu einem Konzert des Kinderliedermachers Chris Reinhard.
Was aussah wie ein Ausflugstag hat einen durchaus ernsten Hintergrund: Das Berliner Kitabündnis, ein Zusammenschluss fast aller Träger von Kindertageseinrichtungen, hatte zu einem Kita-Aktionstag aufgerufen, um bessere Bildungschancen in den Kitas zu fordern. "Auf die Kleinen kommt es an - mehr Zeit für Bildung!" stand auf den orangefarbenen Ballons, Schärpen und Bannern, mit denen Erzieherinnen aus 380 Berliner Kitas mit 25 000 Kindern auftraten. "Wir wollen unser Anliegen in die Öffentlichkeit tragen, deshalb sind wir hier", sagte Monika Hartrampf, Leiterin der evangelischen Kita Paul und Anna aus Schöneberg, die mit ihren Kindern zum Reichstag gefahren war.
Das Kitabündnis fordert fünf Stunden zusätzliche Vor- und Nachbereitungszeit für vollzeitbeschäftigte Erzieherinnen, freigestellte Leitungen für Kitas mit mehr als 100 Plätzen sowie einen Anspruch auf einen Teilzeit-Platz für alle Kinder und nicht nur für jene, deren Eltern berufstätig sind. Laut Bündnis müssten dafür die 12 000 Kita-Vollzeitstellen in Berlin um weitere 2.500 aufgestockt werden. Einige Erzieherinnen sammelten auch Unterschriften für ein Volksbegehren des Landeselternausschusses Berliner Kindertagesstätten (LEAK), das durch eine Gesetzesänderung mehr Bildungsqualität erreichen will.

Eva Dorothée Schmid
Berliner Zeitung, 26.6.08